Gärtnern

Auch junge Hecken müssen zum Frisör!!

Fast jeder, der einen eigenen Garten hat, hat irgendwo eine Hecke stehen. Laubabwerfend oder wintergrün, mit Blätter oder Nadeln. Und alle haben etwas gemeinsam… damit sie in Form bleiben müssen sie regelmäßig geschnitten werden. Die einen etwas öfter als die anderen, einige wollen akkurat geschnitten werden und andere sind da nicht so pingelig.

Aber eins haben alle gemeinsam:
Wenn es eine dichte und nicht, in der Breite, ausufernde Hecke werden soll, muss ich sie von Anfang an vernünftig schneiden. Fehler, die schnell in den ersten Jahren gemacht werden, lassen sich später nicht gut korrigieren.

Meine Lieblingshecken sind Hainbuche (Carpinus betulus) und Rotbuche (Fagus silvatica). Beides laubabwerfende heimische Pflanzen, sehr gut schnittverträglich und, bei einer guten Bodenvorbereitung, auch zügig wachsend. Auch im Winter haben sie eine schöne Aststruktur, wobei die Rotbuche ihre Blätter sogar bis ins Frühjahr behält. Sie sind dann wunderschön bronzefarben.
Beide gibt es in allen Größen und für jeden Geldbeutel. Angefangen von leichten Heckenpflanzen, 80-100 cm ohne Ballen, bis hin zu großen Pflanzen, 225-250 cm mit Ballen. Meisten wird eine kleinere Größe genommen, schließlich kann sie noch wachsen. Und gerade dann ist der frühe Schnitt sehr wichtig.

Warum?
Das möchte ich euch jetzt, an Hand von Hainbuchenhecken, zeigen.


Das ist eine sogenannte leichte Heckenware, Carpinus betulus 80/100. Das bedeutet, das sie zwischen 80 und 100 cm lang sind, wurzelnackt (also ohne Ballen) und locker verzweigt. Und da man ja jeden Trieb bezahlt hat und sich über jedes grüne Blatt freut…. wird sie meistens erstmal nicht geschnitten.


Das hat Folgen.


Da auch so eine kleine Heckenpflanze liebend gern ein großer Baum werden möchte, wächst sie nur an den Triebspitzen weiter und zwar möglichst nach oben. Dort wird sie dann auch schnell buschiger und beschattet so ihren eigenen Stamm. Im Schatten kommen aber nur wenige Triebe durch, deshalb wird sie da nicht dicht.
Wenn ich Hecken pflanze, bekommen sie direkt den ersten Schnitt, den sogenannten Pflanzschnitt. Am liebsten arbeite ich da individuell mit der Rosenschere. Jeder Pflanze wird extra geschnitten, vor allem auch zwischen den Pflanzen. Durch das zurückschneiden der Triebe nehme ich den Pflanze die Triebspitzen weg. Damit sie dann weiterwachsen kann, weckt sie ihre schlafenden Augen auf und treibt vermehrt aus. Dadurch wird sie buschiger. Je dichter ich das am Stamm mache, umso dichter wird die Hecke. Und das sieht dann auch im Winter besonders schön aus.

Auf den nächsten beiden Bildern könnt ihr sehen, wie sich das gleich in den ersten Jahren schon auswirkt. Beide Hecken stehen ungefähr gleich lange und hatten die gleiche Ausgangsgröße. Trotzdem sieht die Hecke auf dem unteren Bild älter und schon viel mehr nach Hecke aus. Das könnt ihr nur durch frühzeitigen und regelmäßigen Schnitt erreichen.

Carpinus betulus (Hainbuche) vor einem Jahr als 80/100 gepflanzt, nicht geschnitten
Carpinus betulus vor einem Jahr als 80/100 gepflanzt, Pflanzschnitt und weitere Schnittmaßnahmen

Wichtig ist auch die Schnittführung. Oben sollte die Hecke immer schmaler sein als unten. Nur so wird und bleibt sie unten auch dicht. Das gilt für alle Hecken, egal ob es eine Eiben-, Liguster- oder Buchenhecke ist.

Manch einer ist ja auch unsicher und weiß nicht wie viel er abschneiden darf. Das kann ich gut verstehen….. ab ist ab, und das lässt sich dann ja auch nicht mehr ankleben.

Generell ist zu sagen, das Laubhecken mehr tolerieren als Koniferenhecken. Bei den Koniferenhecken treibt nur die Eibe aus altem Holz wieder neu aus. Alle anderen nehmen das sehr übel und bleiben meisten braun.
Die Laubhecken sind sehr robust und lassen sich sogar oft noch im Alter stark zurückschneiden. So ein starken Rückschnitt sollte zum Ende des Winters erfolgen und muss, laut Naturschutzgesetz, bis zum 1.März erledigt sein. Normale Pflegeschnitte sind dagegen immer erlaubt. Es versteht sich von selbst, das man nicht in der Hauptbrutzeit der Vögel schneidet und die Hecke immer vorher nach Nestern kontrolliert.

Aber wie schneide ich jetzt meine junge Hecke, wenn sie noch keinen Schnitt bekommen hat und etwas wild aussieht?
Auf jeden Fall mit einer guten Portion Mut!!
Zuerst kontrolliere ich ob alle Pflanzen einigermaßen gerade stehen. Falls einige sehr aus der Form sind kann ich sie mit Bambusstäben korrigieren.
Und dann ran an die Schere.

So schmal halten wie es geht. Umso schöner baut sie sich auf. Außerdem nimmt sie viel zu viel Platz in eurem Garten weg, wenn sie mit jedem Jahr immer breiter wird.

Hier könnt ihr sehen, was ein guter Schnitt ausmacht. Gerade bei jungen Hecken ist der schmale Schnitt so wichtig.
Übrigens ist die rechte Hecke älter als die linke Hecke.
Seht ihr den Unterschied?

Im Grunde genommen gelten diese Dinge für jede Hecke. Bis auf ein paar Unterschiede…..
Z.B. baut sich eine Ligusterhecke ganz anders als Buche und Hainbuche auf. Sie kommt nicht mit einem Haupttrieb aus der Erde, sondern mit vielen Trieben gleichzeitig. Und wenn man da nicht aufpasst, ist sie schnell sehr breit und unten viel schmaler als oben.
Sicher habt ihr solche Ligusterhecken schon mal gesehen.
Wenn die so aus der Form geraten sind, lassen die sich wunderbar auf Stock setzten und wieder neu aufbauen. Allerdinge dauert es ein paar Jahre bis sie wieder groß ist.
Das kann aber vermieden werden, wenn sie als junge Hecke gleich richtig in Form geschnitten wird.

Auch Koniferenhecken sollten in jungen Jahren gleich geschnitten werden, am besten auch gleich nach der Pflanzung. Zwar wird da nicht so viel abgeschnitten wie bei den Laubhecken. Aber es ist immens wichtig, es vom ersten Jahr an zu tun. Nur dann bleibt sie schmal und dicht. Zypressen und Thuja werden, je nach Sorte, erstmal nur etwas beigeschnitten.
Beim Taxus schneide ich mehr ab. Der wird gleich richtig in Form geschnitten, sonst wird er nicht richtig dicht.

So breit kann eine Koniferenhecke, ohne einen richtigen Schnitt, schnell werden

Zum Schluss möchte ich euch noch ermuntern kreativ zu werden. Eine Hecke muss nicht immer viereckig sein und nur den Garten umschließen. In anderen Ländern werden Hecken oft ganz anders eingesetzt.

Wohl eins der am meisten fotografierten Hecke Europas
Die Eiben in Hummelo bei Piet Oudolf

Weitere Blogbeiträge zum Thema Gehölzschnitt:
Die richtige Schnittführung…wo säge ich ab?
Starkastschnitt…. Schädigung statt Baumpflege
Der wächst doch wieder….

8 Comments

  • jahreszeitenbriefe

    Sehr informativ. Aber neben den Schnitthecken gibt es doch auch die freiwachsenden Wildgehölzhecken, am besten gemischte, die lange ohne jeden Schnitt auskommen, höchstens später in Teilen mal auf den Stock gesetzt werden. Sie brauchen allerdings mehr Platz, damit die Gehölze ihre organische Form aufwachsen können, aber auch deutlich weniger Pflege. Die mag ich echt noch lieber als Formschnitthecken… Lieben Gruß Ghislana

    • Sigrun

      Wir hatten im letzten Garten auch eine Buchenhecke wurzelnackt gepflanzt und waren ganz überrascht, wie schnell sie gewachsen ist. Am Anfang fällt der Schnitt immer schwer und man braucht Geduld, bis ein guter Sichtschutz da ist. Für wenig Platz in der Stadt finde ich diese Hecke super und es nisteten sogar Amseln drin.
      Nun haben wir hier die von Ghislana beschriebene frei wachsende gemischte Hecke aus heimischen Gewächsen. Das ist so toll, wieviel Leben da drin steckt. Aber sie braucht Platz, den leider kaum noch jemand hat….
      LG Sigrun

    • Barbara

      Liebe Ghislana,
      wenn der Platz da ist, sind freiwachsende Hecken toll. Vielfältig und für die Natur ein Hotspot. Leider haben viele nicht soviel Platz und dann ist es mir lieber, das sie eine gut geschnittene Formhecke, am liebsten natürlich eine Laubhecke, im Garten haben. Dann können sie einzelne Gehölze davor pflanzen. Fürchterlich finde ich es, wenn eine lockere Gehölzhecke gepflanzt wird, die sich nicht entfalten kann und dann immer kurz und klein gestutzt wird. Damit ist keinem geholfen. Den Pflanzen nicht und den Tieren auch nicht.
      Liebe Grüße
      Barbara

      • jahreszeitenbriefe

        Am schlimmsten empfinde ich die Hausmeister“bürstenform“schnitte in öffentlichen Grünanlagen und vor Mietshäuserb, wo die gepflanzten Gehölze Platz hätten ihren natürlichen Wuchs in ihrer ganzen Schönheit zu zeigen… Aber auch sie müssen geköpft und abgeraspelt werden … Das sieht so schlimm aus… Als wir im Schulgarten eine freiwachsende Hecke angelegt hatten, fragte der Hausmeister auch gleich, ob er die schneiden soll… Hach, ich freu mich immer, wenn ich irgendwo frei wachsende Hecken sehe und solche, vor allem auch in unseren ausgeräumten Land(wirt)schaften neu angelegt werden… Liebe freiheitliche Heckengrüße

  • Annette

    Heckenschnitt gut erklärt, damit kann auch der Laie arbeiten. Ich sehe oft in der Nachbarschaft das die Hecken mit der Nagelschere geschnitten werden. Wenn dann nichts mehr zu retten ist, wird mit der Motorsäge verstümmelt. Zurück bleiben dann nackte Äste mit großen Schnittwunden und eine Hecke, die eigentlich nicht zu retten ist. Grausig.

    viele liebe Grüße

    Annette

    • Barbara

      Liebe Annette,
      diese verstümmelten Hecken kenne ich auch. Hoffentlich kann ich durch meinen Beitrag einige im Vorfeld verhindern….
      Liebe grüße
      Barbara

  • @anronette

    Hallo Barbara,
    ein sehr lehrreicher Bericht für den Zierheckenschnitt.
    Aber wie sieht es mit einer Wildhecke im Garten aus, z.B. Pfaffenhütchen, Weißdorn, Holunder, Aronia, Berberitze, Hartriegel bunt gemischt. Lässt man solche Büsche nicht viel freier wachsen? Dennoch müssen sie ja geschnitten werden, damit sie dicht werden.
    Über Tipps oder über einen weiteren Blogbericht darüber würde ich mich freuen.
    Herzliche Grüße,
    Annette

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