Gärtnern,  Gestaltung,  Natur

Auf Sand und Schutt gebaut…..

Kennt ihr auch so Ecken im Garten, die einfach nicht so wollen wie ihr euch das vorstellt?
Mal wird das eine probiert…. mal das andere.
Am liebsten gar nicht so hingucken…
So eine Ecke hatten wir lange direkt am Teich. Nicht sehr groß und begrenzt vom alten Schuppen, dem Teich und dem Zaun zum Nachbarn.
Mal standen dort Dahlien, mal einjährige Blumen kombiniert mit Gemüse.
Es sah auch zeitweise recht schön aus, aber so richtig zufrieden war ich nie damit.


Vor Jahren kam die Idee mal, etwas für Insekten zu gestalten. Der Gedanke setzte sich fest, und ab da machte ich nicht mehr viel an der Ecke….. was nicht gerade förderlich war. Sie blieb einfach liegen, weil mir die zündende Idee zur Umsetzung fehlte.
Bis ich dann im Sommer 2016 im Hortus Insectorum bei Markus Gastl war.

Pyramiden im Hortus Insectorum

Sowas wollte ich auch. Pyramiden, viel heimische Wildpflanzen, Steine und Magerboden auf Schutt. Aber wie umsetzten?
Markus hat 8000 qm und ich nur 30 qm. Und wo anfangen?
Erstmal Schutt sammeln…. kann ich sehr empfehlen…. sehr dekorativ im Garten und gibt immer Gesprächsstoff…..

Im Februar 2018 war ich dann das erste Mal in Heidelberg auf den Naturgartentagen. Reinhard Witt hielt dort eine tollen Vortrag über Trockenmauern.
Das war es…. ein Hochbeet mit einer Trockenmauer. Endlich eine zweite Ebene im Garten…. bei uns im Münsterland ist es ja oft leider sehr flach.
Da passt dann auch der ganze Schutt rein. Und da wir schon immer zu den Sammlern gehörten, also gehortelt haben, lagerten auch auf dem ganzen Grundstück verteilt viele Steine und Dachpfannen.
Für die Nichthortusianer: „horteln“ bedeutet soviel wie altes Material sammeln und wieder verwenden.
Was lag da näher als eine Recyclingmauer zu bauen……

Der erste Schritt war für uns der schwerste. Wir sind beide Gärtner von Beruf und mit dem Begriff „guter Boden“ groß geworden. Wir haben gelernt, dass das die Grundlage für gutes Pflanzenwachstum ist.
Und genau der sollte verschwinden? Das ging uns quer runter……

Der gesamte gute Oberboden wird abgetragen und woanders weiter verwendet

Und dann wurde es spannend…..
Normalerweise arbeite ich mit Pflanzen und Mauern baue ich gar nicht. Das können andere viel besser als ich. Zudem passten einige Regeln des Trockenmauerbaus nicht so wirklich auf die Recyclingmauer:
keine Kreuzfugen, gut miteinander verzahnen, möglichst Reihe nach Reihe legen. Alles das funktionierte nicht so richtig.
Aber Learning by doing. Meine Mann brachte alles heran, was er finden konnte und ich begann mit dem Bau.

Ich habe mich von hinten nach vorne gearbeitet und kreativ die Mauer gestaltet. Als Material hatte ich:
verschiedene Dachpfannen, Betonsteine, Klinkersteine, Ytongsteine, alte Kanalrohre, Strangfalzziegel und alte Kantensteine, die durchgebrochen wurden.
Ein buntes Vielerlei, was manchmal so gar nicht kompatibel war. Die Dachpfannen wollten nicht liegen bleiben und die Betonsteine passten sich nicht der Höhe der Ytongsteine an. Es war eher ein Basteln als fachgerechter Trockenbau.

Aber es hat mega Spaß gemacht!!!!

Hier seht ihr die Mauer von innen.
Wichtig ist, dass große Steine unten liegen. (grün)
Und dass immer mal wieder Steine nach innen ragen gibt Stabilität. (pink)

Zur Wand liegt eine Folie, damit die Feuchtigkeit nicht in das Mauerwerk zieht. Und da wir nachher nicht mehr mit der Schubkarre an das Hochbeet kommen, haben wir das Substrat auch gleich aufgefüllt.
Das ist Betonkies in der Körnung 0/32, d.h. ungewaschener Sand mit Kieselsteinen bis 3,2 cm Größe. Eine Mischung, die sehr lebendig aussieht.

Und da sollen nachher Pflanzen gedeihen?

Unser Schutt reichte natürlich überhaupt nicht aus. Glücklicherweise hatten unsere Nachbarn noch einen großen Haufen Bauschutt im Garten liegen…. der ist komplett bei uns verschwunden. Alles was kein Bauschutt war, wie Kabel, Metall usw., wurde aussortiert.

Jetzt bekommt das Hochbeet langsam Konturen. Nach vorne wird es niedriger. Dort steht ein Baum, und zwar ein Nyssa sylvatica – Tupeledobaum. Bäume mögen es überhaupt nicht, plötzlich angefüllt zu werden. Darauf reagieren sie mit einer Wuchsdepression und viele sterben dann irgendwann ab.
Außerdem finde ich es gestalterisch schöner, wenn ich von vorne direkt ins Beet schauen kann.
Da ein Hang immer schwieriger zu bepflanzen ist als eine Ebene, habe ich alles terrassiert. Mit kleinen Findlingen, Klinkersteinen oder Totholz.

Und endlich hatte ich einen Platz für meine Pyramide!!
Viele, die zum Hortusnetzwerk gehören, haben nämlich eine Pyramide. Sie dient als Erkennungsmerkmal, aber auch zum Schutz für Tiere. Deshalb ist es wichtig, das zwischen den Steinen Löcher sind und im Inneren eine lose Schichtung mit Freiräumen. Dazu habe ich kaputte Tontöpfe genommen.

Ein altes Waschbecken wird zur Vogeltränke. Der Stopfen ist mit Silkon festgeklebt und alles mit Kieselsteinen aufgefüllt, so dass die Piepmätze auch darin stehen können. Da ist reger Badespaß angesagt.

So entsteht langsam eine Hotspotzone für Insekten und andere Tiere. Immer mehr Elemente finden sich ein:

  • Steine, unter denen es feucht ist
  • Totholz voller Leben
  • Wasser für Vögel und Insekten
  • freie Flächen für bodenbrütende Wildbienen
  • Wildbienennisthilfen

Was fehlt noch? Ach ja…. das Wichtigste …… die passenden Pflanzen !!!
Kommt im nächsten Beitrag…..

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