Bäume und Gehölze

Baumgeschwister, wenn einer geht…..

Was Bäume angeht habe ich mittlerweile fast einen Scanner Blick. Selbst beim Autofahren registriere ich, ob es einem Baum gut geht oder nicht. Das ist sicher nicht immer gut, da ich zur Zeit mehr das Negative am Baum wahrnehme. Meine Freude an Bäumen ist dadurch oft getrübt. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen es von Vorteil ist.

Im Juli waren wir zu einem Kurzurlaub in der Südheide. Das ist eine so schöne Gegend. Tolle Fachwerkhäuser, abwechslungsreiche Landschaften, alte Städte und viele mächtige Eichen. Eine schöner als die andere. Die meisten sehr vital und auch sehr alt.

Der Park am Celler Schloss ist ein Landschaftspark. Er wurde 1847 bis 1866 von Garteninspektor Schaumburg aus Hannover fertig gestellt. Mir ist aufgefallen, das viele Bäume in 3er Gruppen gepflanzt worden sind. Vor allem Eichen und Blutbuchen. Solche 3er Gruppen wachsen gemeinsam auf und geben sich über Jahrhunderte gegenseitig Schutz und Halt.

Tulpenbaum und 3 Blutbuchen im Hintergrund

Auf dem Weg rund um das schöne Welfenschloss fiel uns eine ungewöhnliche Eiche auf. Sie stand am Rande eines Hanges. Ihr dicker Stamm ragte sehr schief in Richtung Hang. Nach ca. 5 Meter teilte er sich in zwei mächtige Starkäste. Der linke ging relativ gerade gen Himmel. Der andere hing im 45 Grad Winkel über dem Hang. Von ihm aus ging ein weiterer Starkast waagerecht ca. 10 Meter in den Hang hinein. Der ganze Baum war insgesamt sehr in Schieflage.
Dabei wirkte es auf mich, als wenn der ganz linke Starkast den Baum rüber ziehen will.
Eine sehr untypische Wuchsform. Sonst stehen Eichen immer sehr gerade und sind gleichmäßig gewachsen.
Vielleicht ist die Eiche in jungen Jahren durch einen anderen Baum bedrängt worden. Sicher wird sie dadurch starke Wurzeln zum Gegenhalten entwickelt haben.
Bäume können lange so schief stehen und dabei vital bleiben…… wenn sie nicht gestört werden.

Ungewöhnlich gewachsene Bäume ziehen uns immer magisch an. Beim näheren Hinsehen fanden wir einen starken Riss im Stamm. Mehrere Meter lang, 2 Finger breit und ca. 50 cm tief. Er sah sehr frisch aus und roch richtig nach Eiche. Das konnte noch nicht lange her sein.

Er spaltete fast den halben Stamm und lief genau auf die weit überhängenden Äste zu.

Ich kann schlecht abschätzen wie groß das Gewicht dieser Äste ist. Es werden sicher einige Tonnen sein. Uns wurde etwas mulmig. Bäume werden zwar regelmäßig kontrolliert, aber nicht ständig überwacht.
Außerdem fiel uns eine frisch eingesäte Stelle im Rasen auf.
Könnte da eine dritte Eiche gestanden haben? Die der anderen Schutz und Halt gegeben hat?
Und dieser Schutz war jetzt plötzlich weg?

Wie gefährlich das Ganze jetzt war, konnten wir nicht beurteilen. Aber nichts tun kam auch nicht in Frage. Am Schloss haben wir dann einen Mitarbeiter der Stadt gefunden, der mit uns zur Eiche kam.
Ihm war der Riss auch nicht geheuer und deshalb informierte er das Grünflächenamt. Die machten sich auch gleich auf den Weg….. und wir konnten uns in Ruhe weiter den Schlosspark anschauen.

Wieder zu Hause im heimatlichen Rinkerode, lies mir die Eiche aber keine Ruhe. Ich wollte zu gerne wissen, wie es weitergegangen ist. Also habe ich eine Mail geschrieben und wenige Stunden später eine Antwort bekommen.

Noch am Freitag Nachmittag sind die Äste stark eingekürzt worden und am Montag ist sie leider gefällt worden. Der Platz war einfach zu gefährlich, um sie als Habitatbaum stehen zu lassen. Zuviel Publikumsverkehr.
Und tatsächlich wurde dort im letzten Jahr eine identische, abgestorbene Eiche gefällt.


Wenige Tage vor unserem Besuch gab es in Celle ein starkes Gewitter mit viel Regen.
Es ist gut möglich, das da eine starke Windböe den Riss verursacht hat. Die 3er Gruppe hat viele Jahrzehnte gemeinsam allen Stürmen standgehalten. Sie waren eine Einheit – Baumgeschwister.

Es ist wirklich sehr schade um diesen markant gewachsenen Baum. Und mir ist klar geworden, das wir nicht nur den einzelnen Baum im Blick haben dürfen, sondern das ganze Umfeld mit einbeziehen müssen. Vielleicht wäre die Eiche nicht gespalten, wenn der andere Baum als Habitatbaum stehen geblieben wäre. Aber das ist eine reine Vermutung.

Im Schlosspark gab es noch weitere sehr schöne alte Bäume:

Ulmus laevis – Flatterulme, gut erkennbar an dem verschobenem Blattansatz. Das haben nur Ulmen.

Sophora japonica – japanischer Schnurbaum, neuer Name: Styphnolobium japonicum

Pterocarya fraxinifolia – kaukasische Flügelnuß, Quercus robur “Fastigiata” – Säuleneiche, alter Efeubewuchs, 4x Platanus acerifolia – Platane

Falls ihr mal in der Südheide seit – einen Besuch im Schlosspark von Celle kann ich euch wirklich empfehlen.

One Comment

  • Petra Blackert

    Danke für diesen spannenden Bericht und die schönen Aufnahmen dieser urigen Riesen. Es ist schade um jeden dieser Bäume, denn fraglich ist, ob die Setzlinge von heute unter den herrschenden Bedingungen – Klimawandel, invasive Insekten im Zuge der Globalisierung, Bodenverdichtung – jemals solch stattliche Gesellen werden können.
    Liebe Grüße
    Petra

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.