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„Schatten im Garten“ mit Jörg Pfenningschmidt

Wenn ich nach meinen Lieblingsplätzen im Garten gefragt werde, sind es oft die Schattenecken.
Zum einen fühle ich mich in der prallen Sonne nicht so wohl und meine Haut bekommt schnell die unterschiedlichsten Rottöne.
Und zum anderen liebe ich die filigranen Schattenstauden, bei denen ich oft ganz nah ran gehen muss um deren Schönheit auch richtig zu sehen.

Im Frühjahr 2018 hatte ich die Chance ein ganzes Wochenende zum Thema „Schattengarten“ mit Jörg Pfenningschmidt in Mecklenburg Vorpommern zu verbringen.
Dort gibt es die DGG-Gartenschule Tarnow, in einem wunderschönen Dreiseitenhof. Einige von uns Beetschwestern durften den Probelauf mit machen. Es waren eine spannende und lehrreiche Tage.
Bei den Beetschwestern könnt Ihr auch den Beitrag von Birgit über dieses schöne Wochenende nachlesen.

DGG-Gartenschule Tarnow

Schon auf der Rückfahrt im Zug kreisten meine Gedanken um so ein ähnliches Seminar bei uns Staudenfreunden im Münsterland.
Wann und vor allem wo? Einen Tag oder Zwei? Wieviel Teilnehmer? Eine kleine Gruppe wie in Tarnow oder lieber über 20 Teilnehmer?
Mit wem war ja klar…… auf jeden Fall mit Jörg!!

Und am 21. September 2019 war es dann so weit. Wir konnten ein Tagesseminar mit Jörg Pfenningschmidt für 32 Teilnehmer anbieten.
Statt wie sonst im Bürgerzentrum La Vie in Münster Kinderhaus, waren wir diesmal zu Gast in der Baumschule Bertels in Rinkerode.
Dort gibt es einen schönen hellen Raum mit Blick direkt in die Staudenquartiere, eine kleine Küche und da es Samstag war, auch den Sozialraum der Mitarbeiter, sogar mit einer Sonnenterrasse.
Perfekte Voraussetzungen.

Vier Vorträge standen auf dem Programm, unterbrochen von einem leckeren Mittagsbüfett und viel Kuchen….. jeder hatte etwas Leckeres mitgebracht. Das ist viel schöner als eine bestellte Gulaschsuppe…..
Und ich habe, glaube ich, noch nie soviel Kaffee an einem Tag gekocht wie an dem Samstag.

Im ersten Vortrag ging es um Schatten im Garten ganz allgemein.


Was ist überhaupt Schatten?

Dazu noch ein Tipp aus meiner Berufspraxis, vor allem im letzten und diesem Jahr:
Mitentscheidend ist die Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten. Ein Vorgarten im Norden, der während der Pflanzzeit, die ja im Herbst und im Frühjahr ist, im Schatten liegt, kann im Juli bei hohem Sonnenstand voll in der Sonne liegen.
Das ist mir bei einer Planung selber passiert….. das Ergebnis war nicht so zufriedenstellend. Ein Teil der Stauden ist regelrecht verbrannt. Seitdem achte ich wesentlich stärker auf den Sonnenstand.

Einige Aspekte aus dem Vortrag von Jörg Pfenningschmidt:
Schatten ist für viele Stauden Stress. Damit es ihnen gut geht sind die Bodenverhältnisse und die Pflege entscheidend. Wer ständig aufräumt und das Laub aus den Beeten harkt, muss sich nicht wundern, wenn die Pflanzen verkümmern.
Vor allem im Schatten unter Bäumen ist eine gute Humusschicht unerlässlich. Die Bäume ziehen alles an Nährstoffen weg…. da bleibt nicht viel für die Stauden übrig.

Und was ist mit Eichenlaub?
Liegenlassen und mit Stickstoff und Kalk behandeln. In dem Fall sogar mit Blaukorn. Die Pflanzen werden alle organisch gedüngt, aber die Bakterien brauchen schnellverfügbaren Stickstoff um das Eichenlaub zu zersetzten.

Nach einer kurzen Kaffeepause ging es mit seiner Lieblingspflanze, der Helleborus, weiter.
Am liebsten sind Jörg Pfenningschmidt die Hybriden und die Lenzrosen. Einmal eingewachsen, sehen sie lange blühend aus und haben eine schöne Blattstruktur.
Damit kann man gerade kleine Vorgärten unter Bäumen attraktiv gestalten.
Zudem lassen sie sich gut durch Aussaat vermehren und so entsteht die ganz eigene Kollektion.
Das ist doch dann ein feines Gärtnern.

Bei strahlendem Sommerwetter konnten wir dann unser Mittagsbüfett draußen genießen. In allen Ecken wurde geschlemmt und Gartengespräche geführt. Die bunte Mischung der Truppe, vom Hobbygärtner mit kleinem Garten bis hin zur Gartenarchitektin, gaben den ganzen Gesprächen eine besondere Lebendigkeit und alle kamen leicht ins Erzählen.
Vereint uns doch der schönste Beruf und das schönste Hobby der Welt…….

Manch einer konnte sich auch nur schwer von den Staudenbeeten trennen. Aber die Baumschule Bertels ist in der nächsten Woche auch noch da….. unser Hamburger Referent nur den einen Tag!!

Nach dem Essen ging es weiter……. erstmal mit Kaffee gegen das Mittagsbüfettkoma.

Und dann kam der schwierige Schatten…… trockener Standort, unter Bäumen, erhöht stehend, im Wind, Wurzeldruck…….

Bei der Gestaltung dieser Schattengärten verwendet Jörg Pfenningschmidt oft große Steine. Darunter ist es immer feucht. Die sammeln regelrecht das Wasser. Und viele Schattenpflanzen mögen es besonders gerne mit ihren Wurzeln darunter zu wandern. Dadurch kann man noch differenzierter arbeiten. Und in der Gestaltung sehen Stauden mit Natursteinen kombiniert immer gut aus.

Stauden für den trockenen Schatten sind z.B.:
Cyclamen und Helleborus
Geranium phaeum und Sesleria autumalis
Saxifraga ubrinum (gerne zwischen Steinen)
Heuchera villosa
Geranium Grazile-Hybride „Sirak“

Dazu kommen noch einige Stressstrategen, die für extrem Standorte geeignet sind. Aber auf besseren Standorten gerne wuchern und wuchern und wuchern….
Aster ageratoides „Asran“, „Nanus“ und „Ezo Murasaki“
Geranium nodosum
Trachystemon orientalis
Symphytum grandiflorum

Die Bilder überzeugten durch die Vielfalt und das gute Wachstum. Mit der richtigen Pflanzenkenntnis lässt sich für viele Standorte eine Lösung finden.
Auch im trockenem Schatten gibt es gute Alternativen zu einem Geröllbeet!!

Danach……. mussten wir wieder was essen……. diesmal Kuchen !!
Das schöne Wetter wurde von vielen genutzt um durch die Baumschule und den Garten zu schlendern. Nochmal richtig Sonne tanken, fachsimpeln und sich an schönen Gehölzen erfreuen….. was will ein Gartenfreund mehr?

Im letzten Vortag ging es dann um den guten und schönen Schatten.
Ausreichend Wasser, mildes Klima, gute Humusschicht, lichter Schatten…… wer hätte das nicht gerne im Garten?
Dafür gibt es so manche Kostbarkeiten wie:
Maianthemum racemosa, Aconitum, Saxifraga cortusifolia, Deinanthe…..


Ich muss gestehen, das ich da nicht mehr viel mitgeschrieben habe.w
Diese wunderschönen Stauden brauche ich mir nicht in den Garten zu holen. Bei trockenem Schatten auf scheren Kalkmergelboden ist die Auswahl doch etwas eingeschränkt.

Die Stunden gingen viel zu schnell vorbei. Jörg Pfenningschmidt ist ein kurzweiliger und amüsanter Referent mit einem großartigen Pflanzenwissen.
Was ich so an ihm schätze ist, das er nicht nur die tollen Sachen zeigt, sondern auch das, was nicht geklappt hat.
Und so klar macht, das er, wie wir alle, immer noch Lernender ist und auch immer noch dazu lernen will.
Denn als Gärtner, ob Hobbygärtner oder Profi, lernen wir in jedem Jahr neues dazu.

Und weil es so schön war kommen jetzt noch ein paar Impressionen vom Tag.


Ein schöner Tag geht zu Ende….. und an dieser Stelle noch mal vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben. Es ist wirklich schön, das der erste Satz, der nach der Begrüßung fällt, oft lautet: Wo kann ich noch helfen?
Und das nach dem Ende so viele noch zum Aufräumen da geblieben sind.
Das ist nicht selbstverständlich und zeigt, das die Staudenfreunde Münsterland eine tolle Truppe sind.


Fotos: Jürgen Vormann und Barbara Gerlach


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5 Comments

  • Christiane Müller

    Liebe Barbara!

    Herzlichen Glückwunsch zu so einem gelungenen Tag unter Gärtnern und Staudenfreunden!
    Und bitte mehr dieser Veranstaltungen, bei denen es um Erkenntnisgewinnung und Austausch geht und nicht um die immer gleichen öden Hochglanzbilder in hinreichend bekannten „Gartenzeitschriften“!
    Weiter so!!
    Herzliche Grüße aus MV

    • Barbara

      Liebe Christiane,
      danke für deine Glückwünsche. Es hat sehr viel Spaß gemacht.
      Ich sehe das genauso wie Du und stelle es auch immer wieder bei meinen Vorträgen fest….. der Austausch bringt enorm viel und jeder profitiert davon. Referent und Teilnehmer. Gefällt mir auch viel besser als wenn es überwiegend um Designergärten gehen würde. Obwohl die sicher auch ihre Berechtigung haben. Aber das andere und vor allem der Umgang mit Pflanze ist mehr meins.
      Und wir werden sicher auf dem Weg weitermachen.
      Liebe Grüße Barbara

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