Bäume und Gehölze,  Gärtnern

Sommerschnitt bei Magnolie

Wer eine Magnolie im Garten hat, kennt die spezielle Problematik.
Als kleine Pflanze gekauft entwickelt Magnolia soulangeana, die Tulpenmagnolie, ungeahnte Wuchskraft. Bezaubert sie im Frühjahr durch ihre frühen Blüten, wirft sie dann im Sommer oft viel Schatten. Im Herbst kommt das Laub hinzu, welches wirklich nicht schön ist. Außerdem lässt es sich auch noch schlecht kompostieren.
Leider wird sie immer noch viel in kleine Gärten gepflanzt. Dort hat sie nicht genug Platz und wird schnell zu mächtig.

Dann wird im Winter zur Säge gegriffen und das arme Gehölz zurechtgestutzt. Alles was stört kommt ab.

So sehen sie dann oft aus. Ein Trauerspiel. Das hat sie nicht verdient.
Sie kann im Laufe der Jahre so wunderschön werden. Knorrig und majestätisch. Gerade im Winter wirkt sie in der Größe sehr beeindruckend.

Was muss ich beim Schnitt einer Magnolie beachten ?

  • Wie reagiert das Gehölz auf Schnittmaßnahmen?
  • Welcher Zeitpunkt ist der Beste? Sommer- oder Winterschnitt?
  • Was genau stört an der Pflanze? Ist es die Höhe? Breite? Oder ist es das dichte, undurchdringliche Laub?

Magnolien reagieren auf starken und falschen Schnitt mit sehr starkem Wuchs. Sie bildet schnell Wasserschosse, die eine große Wuchskraft haben. Innerhalb kürzester Zeit hat sie ihre ursprüngliche Blattmasse wieder erreicht.

Wie kommt das?

Die meisten Gartenbesitzer schneiden im Winter. Ein Winterschnitt fördert immer den Austrieb.


Wurzel und Krone sind im Gleichgewicht und auf einander angestimmt. Wird eines gestört, reagiert das andere mit. Im Herbst lagern die Wurzeln Nährstoffe für den Frühjahrsaustrieb ein, abgestimmt auf die Blattmasse. Wird im Winter stark geschnitten, fehlen im Frühjahr die Augen für den Austrieb. Der Saft fängt an zu steigen, weiß nicht wohin und weckt ganz viele schlafende Augen auf. Die treiben möglichst schnell aus um alles aufzuholen.
Das ist nicht bei allen Gehölzen gleich stark. Es gibt auch Gehölze, die einen starken Kappungsschnitt im Winter gar nicht vertragen und nur ganz zögerlich austreiben. Bei denen gibt es dann dazu noch einen Wurzelschaden. Das ist bei Buchen und Eichen schnell der Fall.

Nicht so unsere Magnolie. Die treibt aus allen „Knopflöchern“. Das könnt ihr gut an den beiden oberen Bildern sehen. Beim linken Bild seht ihr im Kreis die Schnittfläche und bei den Pfeilen die Austriebe.
Beim rechten Bild seht ihr frische Austriebe. Dort wurde die Magnolie oben stark eingekürzt. Durch so ein starkes Wachstum wird der natürliche Habitus zerstört.

Durch einen Sommerschnitt können wir dem entgegen wirken. Der beste Zeitpunkt ist zwischen dem Johannitrieb und dem Spätsommer. Der Johannitrieb ist der zweite Austrieb der Gehölze, meistens schwächer und heller als der Frühjahrsaustrieb. Er ist um den 24.Juni herum. Ich schneide deshalb gerne im Juli und August. Da die Gehölze dann aktiv sind, verheilen die Schnittflächen auch viel besser als im Winter. Außerdem hat das Gehölz bis zum Frühjahr „vergessen“ das es geschnitten worden ist. Es treibt nicht so stark aus, weil es im Herbst nur Nährstoffe für die vorhandenen Blätter eingelagert hat.

Bevor ich nun zur Säge greife, überlege ich, gemeinsam mit den Gartenbesitzern, was an der Pflanze stört.

  • zu hoch?
  • zu breit?
  • versperrt sie die Sicht?
  • blockt das dichte Laub?

In diesem Fall war es die Sicht.
Viele wollen die Pflanze dann „klein schneiden“ und kürzen sie rund herum ein. Das wird dann ein „Hausmeisterschnitt“ und die Magnolie wird sich mit viel Trieben rächen.
Besser ist es sie auszulichten und aufzuasten. Diese Pflanze ist auch etwas arttypisch gewachsen. Sie kommt mit vielen starken Ästen von unten. Wahrscheinlich ist die ursprüngliche Sorte, Magnolien werden veredelt, abgestorben und die Unterlage durchgetrieben.

Zuerst schneide ich ausladende Äste sauber ab.
Dabei ist es wichtig, keine „Kleiderhaken“ stehen zu lassen. Das sieht nicht schön aus und begünstigt Fäulnis.

Zwischendurch gehe ich immer mal wieder weiter weg und schaue mir das Gehölz genau an. Dabei stelle ich mir vor, wie es wohl weiter wachsen wird.

Wenn ihr zu zweit seit, kann einer auch, vor dem Schnitt, Äste weghalten. So bekommt ihr ein Gefühl, wie es ohne den Ast aussieht.

Denn ab ist ab, da ist dann nichts mehr zu machen.

Dann wurde unten in der Basis das ganze Kleinzeug abgeschnitten und schon sieht es ganz anders aus.

Hier habe ich dann auch die Reste der eigentlichen Magnolie gefunden und sauber abgesägt. Dort werden immer wieder neue Austreibe kommen. Am besten werden die sofort rausgerissen. Wenn sie noch klein sind schadet es der Pflanze nicht. Sie treiben dann nicht so schnell wieder durch, wie nach einem Schnitt.

Zum Schluss wird die Magnolie noch behutsam ausgelichtet. Dabei habe ich einzelne Äste komplett herausgenommen. Also NICHT gekappt, sondern am nächsten größerem Ast abgesägt.

Insgesamt sollten nicht mehr als 1/3 der Äste abgesägt werden. So wird die Pflanze nicht zu sehr gestört.

Das ist nicht immer einfach – auch ich finde schlecht ein Ende und könnte noch eine Weile länger am Gehölz herum schneiden.

Mir macht diese Art des Gehölzschnittes sehr viel Freude. In relativ kurzer Zeit hat sich diese Ecke im Garten total verändert. Alles ist luftiger und leichter geworden. Das Gehölz hat seine artgerechte Wuchsform behalten und wird nicht mit starken Neuaustrieb reagieren.
Dabei habe ich immer einen Ausspruch von meinem Vater im Kopf:

Einen guten Schnitt sieht man nicht

2 Comments

  • Gabi

    Liebe Barbara, beim Lesenfiel mir wieder ein, dass ich im Februar einer Freundin versprochen hatte,ihre Magnolie im Sommer zu schneiden Meinst du, es ist jetzt noch nicht zu spät?
    Liebe Grüße, Gabi

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