Unterwegs

Unterwegs mit den Herbstgartentagen der LVHS Freckenhorst

Als ich, vor über 10 Jahren, das erste Mal auf den Gartentagen in der Landvolkshochschule Freckenhorst bei Warendorf war, konnte ich nicht ahnen welches Suchtpotential da drin steckt.
Einmal dabei…. immer dabei.
Drei Tage zusammen mit anderen Gartenmenschen spannende Vorträge hören, fachsimpeln, sich mit gutem Essen verwöhnen lassen und einen ganzen Tag auf Tour durch schöne Gärten und Gärtnereien …. was will das Gärtnerherz mehr?
In den vielen Jahren sind Freundschaften entstanden und das Wiedersehen ist wunderbar. Wir liegen uns alle in den Armen und freuen uns das wir alle wieder beisammen sind. Zweimal im Jahr drei Tage für die Seele.

In diesem Jahr war vieles anders. Die Frühlingsgartentage fielen aus, wie so vieles andere. Die Enttäuschung war groß und mir fehlten die Tage in der Coronazeit sehr. Um so größer war die Freude, als die Bestätigung für die Herbstgartentage kam. Unter Coronabedingungen, mit nur der Hälfte der Teilnehmer….. egal, Hauptsache ich kann mit. Wir hatten tolle Referenten, viel Spaß und es hat so gut getan.

Unsere Exkursion führte uns in Münsterland. Das erste Ziel war der Dahliengarten in Legden.

Legden, ein kleiner Ort im Münsterland, hat eine lange Dahliengeschichte. Alles begann nach dem 1.Weltkrieg mit dem Vikar Entrup. Seine große Leidenschaft waren die Dahlien. Bald schon hatte er 10 Morgen (2,5 ha) Land „Verblümt“. Und da es in Nizza einen Blumenkorso gab, lag es für ihn nahe so etwas auch in Legden zu veranstalten. Natürlich nur mit Dahlien.

Und so rollte 1926 der erste Dahlienkorso durch das Dorf. Mehr als 5000 Zuschauer kamen. In der damaligen Zeit ein riesiger Erfolg. Die Erlöse gingen als Spende an das Krankenhaus und andere caritative Einrichtungen. Es wurde eine Erfolgsgeschichte, bei der der ganze Ort mitmachte
1955 ging es nach dem 2.Weltkrieg weiter. Seit 1960 gibt es den Umzug alle drei Jahre. Damals wurden alle Dahlienblüten im Dorf angezogen. Große blühende Felder prägten die Landschaft. Dahlien-Schwieters war mir früher schon ein Begriff als Dahlienzüchter. Und Legden hieß bei uns nur „Das Dahliendorf“.

Mittlerweile werden die Dahlien zu Tausenden für den Blumenkorso in Holland geordert. Aber immer noch gibt es viele, viele helfende Hände. Denn alle Blüten müssen einzeln angedrahtet werden. Und wer von euch schon mal Dahlien angedrahtet hat weiß, wie knifflig das ist.

Viele Menschen haben sich mit großem Engagement für diese Tradition eingesetzt. Daraus entstand dann 2015 der Dahliengarten im alten Pfarrgarten. Sicher ganz im Sinne von Vikar Entrup. Auf 4500 qm finden wir 1800 Dahlien in über 180 Sorten…… ein Farbenmeer.

Unser nächstes Ziel war die Baumschule Schwieters in Rosendahl – Holtwick. Eva und Paul Schwieters sind leidenschaftliche Gärtner und haben dort einen ganz besonderen Ort geschaffen. Der Onkel von Paul Schwieters hatte dort schon eine Baumschule. Und in der haben meine Eltern 1957/58 gearbeitet, bevor sie sich dann in Haltern selbstständig gemacht haben. Wir haben also eine gemeinsame Geschichte und es ist immer wieder schön dort zu sein.

Wer von euch mal dort gewesen ist, weiß das Gehölze dort eine ganz große Rolle spielen. Paul Schwieters ist Dendrologe mit Leidenschaft und hat einen großen Schatz an außergewöhnlichen Gehölzen gesammelt. Eva Schwieters liegen Stauden und Rosen sehr am Herzen…. eine perfekte Ergänzung. Ich könnte stundenlang durch die verschiedenen Gärten und den Verkauf streifen und der Kofferraum wäre garantiert voll.

Und als erstes kam dann Gehölzkunde !!
Ich muss gestehen, das ich bei den meisten Gehölzen noch nicht einmal auf die Gattung gekommen bin. Das waren Namen, die ich zum Teil noch nie gehört hatte. Es waren so spannende Gehölze dabei, das ich am liebsten unseren Garten um eine Wiese erweitert hätte um ein kleines Arboretum anzulegen.
Beim anschließenden Rundgang haben wir dann alle Gehölze als oft schon große Pflanze gesehen.
Einfach traumhaft. So eine Gehölzvielfalt sieht man nicht oft.

Die Zeit verging wie im Flug. Alle waren begeistert von den Gartenanlagen und von der Gastfreundschaft. Und wir konnten uns nur schwer trennen. Manch eine münsterländer Pflanze zieht jetzt in einen von unserer Gärten ein.

Nur schwer konnten wir uns von Eva und Paul Schwieters trennen, aber auf uns wartete der Landhausgarten Borggreve-Sommer in Velen. Dort haben sich Marc Sommer und Christian Borggreve ein kleines Paradies geschaffen.
Kommt mit und seht selbst……

1999 konnten sie dieses Fleckchen Erde, ein Haus mitten auf einem Acker, erwerben. Seit dem wird gebaut und leidenschaftlich gegärtnert. Viele Tiere sind dazu gekommen, Pferde, Hund, Hühner, Schafe und Bienen. Um die kümmert sich Christian Borggreve . Als gelernter Gärtner liegt die Leidenschaft von Marc Sommer mehr bei den Pflanzen.

Der Garten gliedert sich in verschiedene Bereiche. Nutzgarten, Streuobstwiese, Schattengarten, sonnige Staudenbeete…… alles geht organisch in einander über. Schöne Gehölze und große Bäume geben Atmosphäre. Und je weiter man an den Gartenrand kommt umso naturnaher ist die Gestaltung.

Und noch nie habe ich solche tiefen und exakten Rasenkanten gesehen. Sie geben dem Garten eine ganz eigene Struktur.

Ich bin jetzt zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren in diesem schönen Garten gewesen. Jedes mal habe ich ihn wieder anders entdeckt. Und diesmal war es im Herbst. Das ist meine Lieblingszeit im Garten. Ich verstehe manchmal nicht, warum so viele immer nur Gartentouren im Sommer machen. Der Herbst ist so eine reizvolle Jahreszeit und von den Temperaturen viel angenehmer als der Sommer.

Eigentlich brauche ich zu diesem Paradies doch gar nicht mehr viel schreiben. Die Bilder sprechen für sich. Gartenbesuch wird sehr herzlich empfangen und offenen Gartentage finden sich auf der Homepage.
Zeitgleich habe oft auch noch andere Gärten in der Nähe offen. Da lohnt sich ein Tagesausflug auf jeden Fall.


Und wer dann Lust auf Pflanzen kauf hat besucht noch die Gärtnerei Dahlke, in der Marc Sommer arbeitet. Gehölzvielfalt und alte Materialen mit denen man wunderbar gestalten kann. Aber Vorsicht!!!!
Am besten mit Anhänger kommen.

Die nächsten Gartentage in Freckenhorst sind übrigens vom 21.4. – 23.4 2021.

Sehen wir uns ?

5 Comments

  • Johannes S.I.

    Sehr schöner Blogbeitrag und tolle Fotos!
    Da bekommt man ja sofort Lust selber mitzufahren!

    Bezüglich des Dahlien-Korsos möchte ich eine kleine Ergänzung hinzufügen:
    Bei dem alle drei Jahre stattfindenden Korso werden ca. 1,1 Millionen benötigt (aufgeteilt auf etwa 16 Korsowagen). Die Blüten werden heutzutage jedoch nicht mit Draht gebunden, sondern mit langen Tackernadeln, mit einem Druckluft-Tacker, auf dem Holzunterbau befestigt. Und bei filigraneren Figuren die ein Untergestell aus Draht und Pappmaché haben werden die Blüten mit einer speziellen Technik und speziellem Blütenkleber aufgeklebt.

    Viele Grüße aus Legden!
    Johannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.