Bäume und Gehölze

Deuwelsholz…. die Süntelbuchen

Die Hexenbuche in Haltern am See hat mich als Kind schon immer angezogen. Urige Stämme –  keiner davon gerade gewachsen – gespenstisch anzusehen  und ein bißchen gruselig. Herrlich zum Klettern!
„Deuwelsholz“ sagten die Älteren dazu. Keinen Meter war diese Buche in der Lage geradeaus zu wachsen. Da konnte nur der Teufel seine Finger im Spiel gehabt haben.
Heute gibt es von der Hexenbuche nicht mehr viel zu sehen. Im Schneewinter 2006 brach sie unter den Massen Schnee zusammen.

Aber es gibt sie noch….die Süntelbuchen.

Ein wunderbares Exemplar steht im Berggarten in Hannover. Sie ist ca. 1880 gepflanzt worden und bedeckt eine Fläche von 750 qm ! Ihr Stammumfang beträgt 2,80 Meter.
Die botanische Bezeichnung ist Fagus silvatica var.suentelensis.
Aber im Volksmund hat sie andere Namen: Teufelsbuche, Hexenholz, Krausbuche, Schlangenbuche, Hexenbuche – oder einfach Kletterbaum.

Ihr Geheimnis hat sie bis jetzt noch nicht preisgegeben. Niemand weiß genau, wie die Süntelbuchen entstanden sind. Theorien gibt es genug. Erdstrahlen, Radioaktivität, Flugbahn eines Meteroiten,…
Mir gefällt am besten die Idee aus Skandinavien:
Böse Trolle aus den Bergen haben mit den Buchen üble Scherze getrieben!

Was wir wissen, ist, woher der Name Süntelbuche kommt.
Der Süntel ist ein kleiner Höhenzug im Weserbergland nördlich von Hameln. Dort war der größte Süntelwald Europas. Viele tausend Bäume standen da – was muss das für ein wunderbares Bild gewesen sein.
1843 wurde alles durch Brandrodung vernichtet…. die Menschen brauchten Ackerland.
Nur um die 100 Bäume überlebten.
Kleine Gruppen gab es damals schon in Dänemark, Schweden und Frankreich. Und findige Botaniker hatten sie schon in einige botanische Gärten gebracht.
Die Bauern waren damals froh, dass sie das Teufelsholz los waren. Es ließ sich noch nicht einmal als Brennholz schichten!

Aber wie vermehrt sich die Süntelbuche überhaupt?
Genauso wie die normale Fagus silvatica durch Aussaat. Buchen sind Fremdbestäuber, d.h. sie brauchen den Pollen einer weiteren Buche zum Fruchten. Leider werden aber nur ca. 30 % der jungen Buchen Süntelbuchen. Die anderen wachsen ganz normal. Und es lässt sich auch erst nach einigen Jahren feststellen, ob sie dazu gehören.
Dann gibt es noch die Wurzelbrut. Genauso wie die oberirdischen Äste wachsen die Wurzeln auch nicht so „wie es sich gehört“. Hier und da kommen sie aus der Erde heraus, und dann bilden sich aus den Wurzelsprossen neue Stämme. Daher kommt es auch, dass eine Süntelbuche gleich wie eine Baumgruppe aussieht.


Die sicherste Art ist die Veredlung. Da werden Reiser einer besonders schönen Süntelbuche auf eine normale Buche aufgepfropft. Solche Pflanzen kann man auch in Baumschulen kaufen.
Aber Vorsicht! Das ist nichts für kleine Gärten. Sie wächst zwar nur etwa 5-10 cm /Jahr in die Höhe, dafür aber enorm in die Breite. 25 Meter im Durchmesser werden durchaus erreicht.

Junge Süntelbuche im Berggarten

Es gibt eine große Formenvielfalt bei den Süntelbuchen – eine echte Herausforderung für alle Botaniker. Manchmal gibt es nur ein Exemplar, aber dafür viele  unterschiedliche Namen. Fagus silv. forma sunatenlensis, Fagus silv. var. „Turtuosa“, Fagus silv. forma „Pendula“…….um nur einige zu nennen. Von flachkronig bis flach über den Boden wachsend.
Sie werden nicht so alt wie sie aussehen. Nur so 120 -200 Jahre alt. Der ungünstige Wuchs macht den Baum schnell instabil, und dann bricht er auseinander.

Aber gerade das fasziniert mich so. 90 Grad Winkel in einem Baum finde ich schon ungewöhnlich. Und der bizarre Wuchs bringt mich dazu, länger zu verweilen, mich unter die Äste mitten in den Baum zu stellen und einfach nur zu schauen. Vor allem ohne Blätter hat er eine magische Ausstrahlung.

Spannend ist es auch zu sehen, wie die Buche mit dem Gerüst und dem Laubengang umgeht.
Sie überwächst es einfach….. „frisst“ es sozusagen auf.

Neben der Süntelbuche im Bergarten in Hannover gibt es glücklicherweise noch mehr Standorte. Am bekanntesten und wohl auch am schönsten war die Tilly Buche in Raden am Süntel. Sie entging damals knapp dem Abholzen. 1739 wurde sie gepflanzt und stand bis 1994. Stammumfang 5,40 Meter, Kronendurchmesser 25 Meter und eine Höhe von 18 Meter. Das war ein stattlicher Baum.
Der Gärtnermeister Carl Thon(1867-1955) kultivierte 30 Tochterpflanzen der Tilly Buche und pflanzte damit 1930 eine Süntelbuchenallee im Kurpark von Bad Nenndorf. Mittlerweile besteht sie aus über 100 Stämmen und ist malerisch gewachsen. Sicher eine Reise wert!
Die Adelsfamilie von Münchhausen hatte die Tradition, jeder Tochter zur Hochzeit eine Süntelbuche zu schenken. Deshalb stehen in vielen alten Schlossparks Ableger der Tilly Buche.
Der älteste Baum stand am Schloss Weitmar in Bochum. 1740 gepflanzt, fiel er im Jahre 2000 einem Feuer, von Jugendlichen gelegt, zum Opfer. Die Überreste kann man immer noch bestaunen.
Bei Bad Münder in Niedersachsen, wurde 1990 ein 11.000qm großes Reservat angelegt. Ein geschlossener Bestand, in dem es um die Erhaltung und Vermehrung bei hoher genetischer Vielfalt geht.
In einem Wald bei Vercy, in Frankreich bei Reims gelegen, wurden 1998 über 800 Süntelbuchen gezählt. Die Größten sind freigelegt und über Wanderwege zu erreichen.

Wer nähere Informationen über Standorte sucht: www.suentelbuchen.de

Und wer mal in den Berggarten nach Hannover kommt, der sollte sich mit Zeit und Muße unter die Süntelbuche stellen und einfach nur staunen.
Die Natur bringt so herrliche Pflanzen hervor, vom Löwenzahn bis zu den Süntelbuchen. Es liegt an uns, es wahrzunehmen und daraus Kraft zu schöpfen.

2 Comments

  • Fabienne

    Liebe Barbara,

    ich bin eben per Zufall auf deinen Blog gestoßen und bin richtig begeistert! Total interessante Beiträge schreibst du!! Ich habe zwar leider nicht so den grünen Daumen, aber ich bin auch so interessiert an Pflanzen, da hoffe ich, dass ich noch viel von dir lernen kann 🙂

    Liebe Grüße
    Fabi von https://www.villaimmergruen.de

    • Barbara

      Liebe Fabi,
      danke für das Kompliment. Ich gebe mein Wissen sehr gerne weiter. Wobei ich jetzt nicht sagen würde, das ich immer alles weiß oder nie Fehler mache.
      Pflanzen sind lebende Wesen, die leider nicht lesen, was wir Menschen über sie in Büchern so alles schreiben. So kommt es immer wieder vor, das die Pflanze ganz anders reagiert, als ich es mir vorstelle und die schöne Idee dann nicht funktioniert. Aber das macht meinen Beruf auch so spannend und lebendig.
      Ich würde mich freuen wieder von Dir zu hören.
      Liebe Grüße
      Barbara

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