Gärtnern,  Stauden

Gartenvagabunden – Cyclame coum

Gartenvagabunden sind meine liebsten Pflanzen im Garten. Sie überraschen mich jedes Jahr aufs Neue, lassen es nie langweilig werden, gestalten den Garten neu, kommen an den unmöglichsten Ecken hervor und zaubern mir fast immer (außer bei Giersch) ein Lächeln ins Gesicht.

Ich muss mich auch kaum um sie kümmern. Sie wissen selber, wo sie am besten wachsen. Mitunter sind es allerdings Ecken, von denen sie dann doch umziehen müssen. Sonst wäre unser Hauszugang bald ein wogendes Meer aus Verbenea bonariensis und Nasella. Sieht bestimmt toll aus – aber der Postbote wäre nicht so begeistert.

Heute möchte ich euch ein ganz zartes Pflänzchen mit einer enormen Vitalität vorstellen.

Cyclame coum – das Frühjahrsalpenveilchen

Am Anfang waren es nur 5 kleine Pflänzchen, vorsichtig in den Schatten unserer Gleditsia gepflanzt. Und die ersten Jahre tat sich auch nicht viel. Aber so nach 4 Jahren konnte ich die ersten Sämlinge finden. Oft nur ein einziges Blatt, welches im Herbst zum Vorschein kommt.

Wie gut, das ich nur kreativ ins Unkraut gehe. Es wird nie gehackt, sondern nur vorsichtig gezupft, bzw. mit dem Spargelstechmesser ausgestochen. Und nur das, was ich definitiv nicht im Garten an der Stelle haben möchte. Nur so können sich die Gartenvagabunden entfalten.

Aber nun wieder zum Alpenveilchen.

Heimat von Cyclame coum
Cyclamen gehören zu Familie der Primelgewächse. C. coum ist heimisch zum einen in Bulgarien bis hin zum Kaukasus, Krim bis hin nach Armenien und zum anderen in der südlichen Türkei, westliches Syrien bis ins nördliche Israel.
Man findet es dort in Laub- und Nadelwäldern, Buschland und in felsigen Standorten. In diesen Gegenden ist es im Sommer trocken und heiß und im Winter kalt und oft auch Schneereich.

Welchen Standort braucht das Alpenveilchen im Garten?
Trockenen Schatten unter Gehölzen ist sein Lieblingsplatz. Gerne auch humos und kalkhaltig.
Aber….. Pflanzen können ja nicht lesen!!!!
Bei uns steht es nicht im humosen und lockeren Waldboden, sondern im schwerem Kalkmergelboden. Dazu kommt starker Wurzeldruck, Staunässe im Winter und harter, trockener Boden im Sommer. Also ein sehr schwieriger Standort im Garten. Es gibt nicht viele Pflanzen, die so gut mit trockenem Schatten unter eingewachsenen Gehölzen klar kommen. Aber diese kleine Schönheit fühlt sich bei uns pudelwohl.


Cyclame coum im Jahreslauf
Fangen wir mal im Herbst an. Denn dann kommen die kleinen Blätter zum Vorschein und bilden mit der Zeit richtige dichte Teppiche. Jedes Jahr im Herbst halte ich nach ihnen Ausschau und freue mich wie Bolle über jedes neue Pflänzchen. Während die anderen Stauden in den Winterschlaf gehen und mit ihrer Winterstruktur glänzen, fallen die Tuffs mit den schönen, gezeichneten Blättern so richtig auf. Dort nehme ich dann auch das Laub der Bäume weg, damit die Cyclamen gut zur Geltung kommen.
Die Herbstalpenveilchen, Cyclame hederifolium, blühen übrigens schon ab September, bevor sie das Laub bekommen.

Unterschiedliche Blätter von Cyclame coum und C. hederifolium

Bei uns, im Münsterland, beginnt das Frühjahrsalpenveilchen meistens schon im Januar mit der Blüte. Egal ob es dann noch Minusgrade oder sogar Schnee gibt, es blüht weit bis in den März hinein. Der Januar und Februar ist bei uns eher grau und trist und gerade deshalb fallen diese Blütenteppiche so sehr ins Auge. Am liebsten würde ich mich mit einem Stuhl mitten hinein setzten.

Auch Schnee macht ihnen nichts aus. Sogar in diesem Jahr, als wir im Münsterland im Februar plötzlich Schneehöhen von 50/60 cm hatten, kamen sie ganz unbeschadet wieder hervor. Mich fasziniert so etwas. So kleine zarte Blüten, die einfach wieder ihre Köpfchen recken und Freude verbreiten.

Vor einigen Jahren hatten wir allerdings einmal starken Kahlfrost, Temperaturen von -12 Grad mit scharfem Ostwind. Da sind alle Blätter und Blüten erfroren. Den Knollen hat das nichts ausgemacht. Aber das war mir einen Lehre – beim nächsten starken Kahlfrost kommt dann ein Vlies zum Schutz über die Bestände.

Wie geht es dann im Jahresverlauf weiter?
Im Frühjahr bleiben die Blätter noch eine Weile schön. Jetzt beginnt die Vermehrungszeit, das Verwildern oder auf neudeutsch: sie machen „Blackboxgardening“.
Die Samenkapseln rollen sich mit ihren langen Stielen spiralförmig ein und werden von der Pflanze in die Erde gezogen. Dort werden sie dann von Ameisen durch den Garten transportiert und erobern so den Garten. Im zweiten Jahr keimt der Samen und ein kleines einzelnes Blättchen erscheint. Nach einigen Jahren kommen dann die ersten Blüten. Es ist keine Pflanze für eilige Gärtner. Dafür braucht es Geduld.

Sind das nicht bezaubernde Bilder? Dafür lohnt es sich schon mal auf die Knie zu gehen.

Im Sommer ziehen die Blätter komplett ein. Das Alpenveilchen übersommert in der Knolle. Deshalb kommt es auch so gut mit Trockenheit klar. Aber jetzt gibt es ein anderes Problem. Da, wo im Winter ein dichter Laubteppich war, ist jetzt ein Loch…. mitten im Sommer…. nicht so schön.
Da heißt es dann kreativ sein und z.B. höhere Stauden davor setzen oder die Cyclamen mit Hosta kombinieren.

Was muss ich beim Ansiedeln im eigenen Garten beachten?

  • Halbschatten oder Schatten, am liebsten unter Gehölzen, Wurzeldruck ist kein Problem
  • trockener, humoser Boden, Sandboden ist schwierig
  • immer in kleinen Gruppen pflanzen
  • Platz so auswählen, das die Cyclamen auch im Winter zu sehen sind, z.B. am Hauseingang oder vor dem Küchen- oder Wohnzimmerfenster
  • nicht hacken, unerwünschte Beikräuter nur zupfen
  • im Sommer nicht über die kahle Stelle laufen, dann werden die Knollen beschädigt
  • beim Pflanzen Totholz oder kleinere Findlinge mit den Alpenveilchen kombinieren, dann wird der Standort im Sommer nicht vergessen

Ganz wichtig!!!! Bitte nicht zu tief pflanzen. Die kleine Knolle, oft nur 1cm im Durchmesser, darf nur max. 2 cm von Erde bedeckt werden. Leider sind sie im Topf schon oft zu tief gepflanzt. Dann mache ich die Erde ab und lege die Knolle frei, auch wenn die Blätter dann wild umher hängen. Das gibt sich wieder.

Und dann braucht es Geduld. Bis sich die Cyclamen etabliert haben und mit dem Verwildern anfangen dauert es Jahre. Aber es lohnt sich und die Vorfreude gehört doch auch mit dazu. Es muss doch nicht immer alles sofort da sein.

Cyclamen lassen sich auch gut verpflanzen.
Dazu nehme ich die Knollen im Frühjahr vorsichtig aus der Erde und setzte sie an ihren neuen Platz. Die Erde fällt meistens komplett ab, das ist nicht weiter schlimm. Die Knollen machen nicht so einen festen Wurzelballen wie andere Stauden.

Alt und jung gemeinsam
Ganz vorsichtig einpflanzen!!!

Aber vorsichtig sein ….. es besteht die akute Gefahr süchtig nach mehr zu werden. Mittlerweile gibt es immer mehr Sorten mit weiteren anderen Blattzeichnungen. Die Blütenfarben liegen bei weiß und vielen pink, rosa und violett Tönen.

Und…. es gibt noch viele andere Cyclamen Arten. Das Herbstalpenveilchen, Cyclame hederifolium, ist wohl das bekannteste zusammen mit Cyclame coum. Dann gibt es noch unser heimisches Alpenveilchen, Cyclame purpurascens – Sommeralpenveilchen.
In Spezialitätengärtnereien gibt es viele kleine Kostbarkeiten, die wirklich entzückend sind. Jedesmal kribbelt es in meinen Finger und ich muss mir dann immer selber auf eben diese Finger hauen, damit ich sie nicht mitnehme. Die würden hier im Beet einfach untergehen. Aber wenn noch Platz da wäre, vielleicht für eine kleine Topfparade…. da könnte ich doch schwach werden.

Ich hoffe, ihr habt jetzt Lust auf diese kleine Vagabunden bekommen. Sie sind nicht überall zu bekommen.
Am besten direkt in einer Staudengärtnerei kaufen. Falls bei euch keine in der Nähe ist, verlinke ich mal einige mit gutem Internetverkauf. Dort könnt ihr ohne schlechtes Gewissen online bestellen. Ihr unterstützt die Gärtnereinen damit, denn ohne Internetverkauf haben die es mittlerweile sehr schwer.

Staudengärtnerei Gaissmayer
Stauden Stade
Stauden Kirschenlohr

Spezialgärtnereien für Cyclamen
Duft- und Wandelgärtnerei Schobel
Pflanze und Co. … die etwas andere Gärtnerei

Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung.


4 Comments

  • Birgit Spelbrink

    Ich liebe Cyclamen und habe die ersten vor einigen Jahren gepflanzt. Nun hege und pflege ich diesen Garten im 10. Jahr und finde sie in vielen Ecken des Gartens wieder, zwischen den Helleborus, unter Hortensien, im vor drei Jahren angelegten „Gräserbeet“ zwischen dem Japanischen Waldgras und Edith Dudszus, selbst der Kiesrand direkt am Haus wird besiedelt. Einfach ein Traum im Frühjahr und Herbst, gerne auch zwischen den Epimedien. Herzliche Grüße Birgit S.

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