Bäume und Gehölze,  Gärtnern

Gehölzschnitt kann auch kreativ sein

„Der muss mal in Form geschnitten werden !!!“
Wie oft höre ich am Telefon diesen Satz….. und jedes mal fängt es an in meinen Fingern zu kribbeln.
Was steckt dahinter? In Form schneiden?
Damit ist selten der Schnitt eines Formgehölzes gemeint, sondern der Schnitt einer Pflanze, die mir so nicht mehr gefällt.
Und leider sieht das Gehölz nach diesem „in Form bringen Schnitt“ oft nicht mehr artgerecht aus.

Cornus mas – Kornelkirsche- als Block

Das kann man so machen, aber es geht auch anders.
Bevor ich dann zur Schere oder Säge greife, bespreche ich mit dem Gartenbesitzer das „Warum“.
Warum soll die Pflanze in Form geschnitten werden?
Was stört an dem Gehölz?
In vielen Fällen ist die Antwort: Die Pflanze ist zu groß, nimmt zuviel Platz weg und wirft zuviel Schatten.
Für mich ist es dann wichtig genau hinzuschauen.
Wo nimmt sie zuviel Platz weg? Meistens nicht oben, sondern eher im unteren Bereich…. auf Augenhöhe. Im Himmel ist oft genug Platz.
Wo nimmt sie die Sonne weg? Auch das ist oft auf im Bereich der unteren Meter. Gerade wenn Gehölze einfach oben abgeschnitten werden, sie sollen ja nicht so groß werden, werden sie dafür immer breiter. Irgendwo muss die Kraft ja hin. Und in kleinen Gärten entsteht dann schnell ein Gefühl der Enge.
Eine Möglichkeit ist das Auslichten, z.B. bei der rotblättrigen Blutpflaume eine gute Alternative zum nicht fachgerechten Stutzen..

Eine andere Möglichkeit ist das Aufasten. Und darum soll es jetzt gehen.


Dieser Vorgarten soll komplett umgestaltet werden. Die Buxushecke bekommt immer wieder Pilz und den Zünsler. Die Stauden sind in die Jahre geworden und die Zierkirsche überragt alles.
Also alles raus und komplett neu pflanzen…..? Oder in „Form“ schneiden?

Eigentlich doch schade um die schöne Kirsche. Sie prägt den Vorgarten und gibt dem Haus Atmosphäre.
Also kreativ schneiden.
Die Umgestaltung des Gartens wird erst in der nächsten Pflanzzeit, dem Herbst, erfolgen. Der Gehölzschnitt kann jetzt, im Sommer, erfolgen. Das vertragen die Pflanzen oft sogar besser als im Winter. Jetzt sind sie aktiv und können die Wunden gut verschließen. Außerdem treiben sie nach einem Sommerschnitt nicht wieder so stark aus.
Sommerschnitt bremst das Wachstum und Winterschnitt fördert das Wachstum.
Und da es kein Radikalschnitt, sondern ein Aufasten wird, ist er auch mit dem Naturschutzgesetz konform.

Wie gehe ich jetzt vor?
Wichtig ist, sich dabei Zeit zu lassen und nicht einfach drauf los zuschneiden. Denn einmal abgeschnitten ist abgeschnitten.

Dabei fange ich von ganz unten an. Vor dem Schnitt biege ich den Ast runter und schaue oben wie groß das Loch wird. Manchmal reicht es auch nur einen Teil des Astes zu entfernen.
Der Ast wird erst etwas weiter vom Stamm abgesägt. Das wird Entlastungsschnitt genannt. Damit vermeide ich Verletzungen am Stamm, die durch plötzliches Abreißen entstehen können. Danach wird sauber am Stamm geschnitten, ohne Kleiderhaken!!

Erst einmal von unten anschneiden und dann von oben absägen. So bleibt die Rinde ohne Verletzungen.
Auf die Art arbeite ich mich rund um das Gehölz herum. Wobei ich immer wieder weiter weg gehe und genau schaue, welchen Ast ich als nächstes abschneide.

So komme ich immer höher und die Kirsche wird unten immer freier. Trockene, alte Äste werden alle abgeschnitten…. ich putzte das Gehölz.
Danach kommen die Äste schöner zur Geltung.

So eine Arbeit macht mir sehr viel Freude. Ich kann ein schönes Gehölz artgerecht erhalten und schaffe neuen Gartenraum.

Dazu brauche ich auch das geeignete Werkzeug. Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit. Zudem ist mir ein sauberer und glatter Schnitt sehr wichtig.
Schere, Handsäge, Astschere, Schneidgiraffe und Schutzbrille.

Bei Rosenscheren kommt für mich nur Felco aus der Schweiz in Frage, damit bin ich quasi groß geworden. Meine Handsägen kommen von Silky und die Astscheren von ARS, beides japanische Firmen. Die Schneidgiraffe ist von Fiskars , also finnisch. Und die Schutzbrille von Stihl aus dem Schwabenland. Eine Schutzbrille kann ich euch nur ans Herz legen. Wer einmal eine Augenverletzung gehabt hat, weiß warum.

Die Arbeit mit der Schneidgiraffe kommt ganz zum Schluss. Damit korrigiere behutsam ich die oberen Zweige. In diesem Fall vor allem an der Hauswand und unter dem Dachüberstand. Dabei achte ich darauf, nicht einfach gerade runter alles abzuschneiden. Ich nehme die Äste versetzt zurück, so das ein natürliches Bild entsteht.

Das hat sich gelohnt….

Und so sieht es jetzt aus:

Mit einem kreativen Gehölzschnitt kann ich sehr viel verändern und die Pflanze ihrer natürlichen Schönheit erhalten.

Die Veredlungsstelle und das Astwerk kommen jetzt erst richtig zur Geltung

Im Herbst geht es weiter. Mit einer vielfältigen Staudenbepflanzung, Totholz und einer Vogeltränke wird dieser schattige Vorgarten bestimmt ein schönes Beispiel gegen die Verschotterung unserer Gärten werden.
Ich freu mich schon darauf.

5 Comments

  • jahreszeitenbriefe

    Da kann man sich wirklich freuen auf den schönen neuen Vorgarten, in dem dieses prachtvolle Gehölz stehen bleiben darf… So einen Stutzschnitt habe ich leider die Tage wieder gesehen, so schade… Liebe Grüße Ghislana

  • Astrid

    Das ist sehr schön geworden! Vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit. Ich werde bei mir im Garten genug Gehölze finden, wo ich deine Tipps anwenden kann. Echt eine super Anregung! Liebe Grüße, Astrid

  • Sigrun

    An den letzten beiden Fotos sieht man den Vergleich prima. Das ist eine viel bessere Alternative, als gleich alles wegzusägen, nur weil es zu groß geworden ist.
    Liebe Grüße, Sigrun

  • Annette

    Wie schön wäre es, wenn sich diese Sichtweise auf mehr Gartenbesitzer und öffentliche Ämter erweitern würden. Ich leide beim Anblick von Hausmeisterschnitten und „Radikalverstümmelungen“ während meiner Spaziergänge. Aber es soll immer nur „ordentlich“ aussehen. Einheitlich, konform, normiert. Dann noch zur falschen Zeit geschnitten und anschließend noch meckern weil keine Blüten am Strauch sind.

    LG Annette

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