Gärtnern

Mein Lieblingswerkzeug

Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit – das weiß jeder Handwerker, egal ob Profi oder Heimwerker.
Im Garten ist das genauso. Ich bezahle lieber etwas mehr und habe dafür ein belastbares Werkzeug. Der Markt wird ja gerade überschwemmt mit Gartengeräten. Egal ob Gartencenter, Baumärkte, Lebensmitteldiscounter oder Kaffeebohnenverkäufer…..
überall gibt es verlockende Angebote.
Einige davon finden sich nachher als Gartendeko wieder. Ich habe davon auch einiges liegen oder hängen. Optisch sehr ansprechend, aber in der Handhabung nicht zufriedenstellend.

Für mich muss beides stimmen. Handhabung und Optik. Ich mag gerne Holz und Metall, am liebsten richtig geschmiedet. Farbe brauche ich keine. Ganz im Gegenteil, das ist für mich ein Grund eher weniger zuzugreifen. Da ich eher kleine Hände habe, möchte ich das Werkzeug vor dem Kauf in der Hand gehabt haben. Schließlich will ich lange damit arbeiten.
Werkzeug vermehrt sich auch….. nicht so schnell wie Pflanzen, aber irgendwie wird unser Schuppen immer voller. Zwischen diesen vielen Geräten habe ich einige, die immer mit dabei sind und auf die ich nicht verzichten möchte.

Mein Lieblingswerkzeug für die kleinen Tätigkeiten dicht an der Pflanze:

  • Setzhäundl aus Österreich – hier auch Pflanzhacke genannt
  • Staudensichel
  • Jäter
  • Hori – Hori Messer
  • Spargelstechmesser

Um es gleich vorweg zunehmen: alle Geräte sind selbst bezahlt und die unbeauftragte Werbung ist aus Überzeugung !!!

Setzhäundl
Viele von euch werden ihre Stauden mit einer kleinen Handschaufel pflanzen. Die habe ich auch. Aber bei einen schweren Boden kommen die schnell an ihre Grenzen und die Pflanzlöcher werden immer kleiner. Da liegt das Setzhäundl viel besser in der Hand. Mit ihr kann ich richtig in den Boden „hauen“.
So geht es damit viel schneller. Ihr werdet kaum einen Profigärtner mit Pflanzschaufeln 500 Stauden setzten sehen. Das macht das Handgelenk auch nicht lange mit. Zudem drückt der Griff einer Pflanzschaufel auf Dauer sehr in die Handfläche. Deshalb nehmen die Garten- und Landschaftsgärtner dazu Pflanzhacken. Die sehen sehr ähnlich wie meine aus. Mir waren die damals zu schwer. Deshalb habe ich nach einer Alternative geschaut.

Mein östereichisches Setzhäundl wiegt 530 g und ist 50 cm lang. Der Stiel ist aus Buche und das Blatt aus geschmiedetem Kohlenstoffstahl. Ich habe es seit über 10 Jahren sehr oft in der Hand. Das einzigste was ersetzt wurde waren die Holzsplinte oben im Stielkopf.
Zu beziehen bei Manufactum für 29,90€

Staudensichel
Für mich unverzichtbar bei jeglichem Rückschnitt von Stauden. Früher habe ich alles mit der Rosenschere gemacht. Die Folge waren immer Schmerzen im Handgelenk. Außerdem hat der Staudenrückschnitt im Frühjahr eine Ewigkeit gedauert. Und meine Zeit ist da immer sehr knapp.
Meine Sichel ist sehr leicht, fast schon zu leicht. Am Anfang war ich deshalb etwas skeptisch.
Die Handhabung ist zwischen reißen, sägen und schneiden. Etwas gewöhnungsbedürftig. Aber damit bekomme ich selbst große Gräser ruckzuck abgeschnitten. Wichtig ist, das die Stauden fest angewachsen sind, sonst habt ihr sie in der Hand.
Ich möchte sie nicht mehr hergeben.

Es ist nicht so, das gutes Werkzeug immer teuer sein muss. Die Edelstahlklinge mit Wellenschliff ist unverwüstlich. Das Holz ist sehr leicht, aber sie ist immer noch so wie vor 10 Jahren. Da passiert nichts.
Zu bekommen bei Ward Gartenbedarf für 9,50€

Jäter
Davon haben wir mittlerweile zwei im Garten. Er wird einfach zu oft benötigt. Einer ist für den Gemüsegarten und der andere für die Staudenbeete. Die Klinge ist asymmetrisch und an den Ecken sehr spitz. Dadurch kann ich gut unter unerwünschtes Beikraut packen und es mit Wurzeln rausziehen. Zum Auflockern des Bodens eignet er sich auch sehr gut. Nehme ich die Klinge hochkant, komme ich damit sauber zwischen die Stauden.
Im Gemüsegarten ist er sehr vielseitig einsetzbar. Zum vorsichtigen Auflockern dicht an den Reihen bis hin zum Unkraut bekämpfen zwischen den Tomaten.

Es gibt ihn in verschiedenen Breiten: 10, 12 und 14 cm. Wir haben 14 cm. Er wiegt nur 300Gramm. Der Eschengriff liegt gut in der Hand und es gibt ihn für Rechts- und für Linkshänder. Er kostet 45,70€ und ist von Sneebor.
Das ist eine Schmiede aus den Niederlanden, in den Handarbeit ganz groß geschrieben wird. Solches Werkzeug liebe ich besonders. Das hat etwas individuelles. Ich muss mich da beim Kauf immer sehr zusammen reißen. Ist fast wie in einer Staudengärtnerei……

Hori-Hori Messer
Das hätte ich mir so selber nicht gekauft. Es sieht für mich eher nach einer Waffe aus, als nach einem Gartenwerkzeug. Aber eine Freundin hat es und ist schon seit Jahren ganz begeistert. Bei ihr habe ich es gesehen und bin angesteckt worden. Das Teil ist so vielfältig zu benutzen und richtig stark. Hosta, Gräser, Schilf und auch Hemerocallis lassen sich wunderbar damit teilen, auch ohne großen Kraftaufwand. Genauso gut kann ich aber auch ein Stück einer Staude im Boden rausschneiden ohne das ich groß mit dem Spaten arbeiten muss. Sehr hilfreich beim Stauden verschenken.
Ich benutze es auch sehr oft in der Sumpfzone. Binsen und Rohrkolben will ich da nicht haben. Rausziehen ist sehr schwierig und der Einsatz einer Grabegabel ist nicht zu empfehlen. Mit dem Hori-Hori Messer kann ich die Pflanzen vorsichtig unterschälen und so gefahrlos herausbekommen. Auch harte Wurzeln lassen sich gut durchtrennen.


Dieses geniale Werkzeug kommt aus Japan, wie so viele gute Messer und Sägen. Es nennt sich auch Bodenmesser und hat eine Edelstahlklinge von 18cm. Mit dem Holzgriff zusammen ist es 31 cm lang. Die Schutzhülle lässt sich am Gürtel befestigen. Ich habe es bei Ward Gartenbedarf für 34€ gekauft und möchte es auf keine Fall mehr hergeben.

Spargelstechmesser
Das ist mein ältestes Gartenwerkzeug, neben meiner Rosenschere. Meine Eltern haben damit den Spargel gestochen…. aber zum Giersch stechen eignet es sich auch hervorragend. Mir gefällt die Länge sehr gut und die gerade scharfe Klinge. Die lässt sich hervorragend nachschärfen. Damit komme ich gut zwischen die Stauden und auch sehr tief in unseren schweren Boden. Wenn ich „kreativ ins Unkraut gehe“ ist es immer mit dabei. Meistens in einem extra Eimer, da der Giersch nicht auf unseren Kompost kommt.
„Kreativ ins Unkraut“ heißt für mich, das ich immer genau überlege: Darf das bleiben oder kommt das weg? Im Staudenbeet darf sich viel versamen und auch Wildkräuter haben dort ihren Platz. Damit es nicht zu wild wird oder andere Stauden bedrängt werden, greife ich ein. Und das ist ein sehr kreativer Prozess. Es macht mir sehr viel Freude, so immer wieder neue Gartenbilder zu gestalten.

Mein Spargelstechmesser habe ich schon vor Jahren von meinen Eltern bekommen. Es ist unkaputtbar.
Ihr könnt es z.B. bei Spargel.net für 9,80€ bekommen.

Ein besonderes Teil möchte ich euch noch zeigen. Das gibt es aber so nicht zu kaufen. Ich habe es auf der Jubiläumsveranstaltung bei Anja Maubach/ Wuppertal gefunden. Das war 2013 und die Schmiede Sneebor war dort mit einem Stand vertreten. Dort gab es einen handgeschmiedeten Pikierstab. Nun geht das Pikieren nicht besser oder schneller damit. Ein kleiner Stab aus Holz oder ein Plastikpikierstab tut es genauso gut.
Aber er ist einfach so schön. Immer wenn ich ihn in die Hand nehme, denke ich an diesen wunderbaren Tag mit den vielen Erlebnissen zurück.
Schade, das ich damals noch kein Handy mit Instagram hatte. Ich hätte euch gerne dorthin mitgenommen.

Habt ihr auch besonderes Lieblinkswerkzeug?

2 Comments

  • Claudia Kersting

    Sehr brauchbarer Beitrag. Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit. Toll finde ich ,wie sauber deines ist. Wenn man die Geräte erdig wegstellt, arbeitet beim nächsten Mal die ganze trockene, feste Erde absolut gegen den Gärtner…..und das passiert mir schon mal. Danke fürs Zusammenstellen!

  • Tanja Pukrow

    Sehr interessanter Beitrag, vielen Dank! Mich würde auch interessieren, wie du Werkzeug bzw. Messer schleifst – damit tue ich mir immer schwer…

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