Bäume und Gehölze,  Gärtnern

Starkastschnitt…. Schädigung statt Baumpflege

Und weiter geht es mit dem Schwerpunktthema Baum.

Ein weiteres Thema in der Baumpflege ist die Entnahme von starken Ästen aus der Krone oder auch direkt am Stamm.
Leider passiert auch dies viel zu oft und könnte meistens vermieden werden.

Aber auch hier gibt es Situationen, in denen es unumgänglich sein kann, das man starke Äste abschneiden muss, z.B. bei:

  • Verkehrssicherheit
  • Kronensicherung nach Sturmschäden
  • Altbaumpflege
  • falsche Wahl des Baumes (zu wenig Platz)
Starkastschnitt an einer Eiche

Was sind Starkastschnitte und warum sind sie baumschädigend?

Alle Äste, mit einem Durchmesser von über 10 cm, werden als Starkast bezeichnet. Wunden ab dieser Größe, können vom Baum nicht mehr abgeschottet werden.
Jeder von Euch wird die Kallusüberwallungen kennen, die sich nach einer Verletzung beim Baum bilden. Die noch intakte Rinde beginnt von außen her die Wunde, mit vom Kambium (teilungsfähiges Gewebe zwischen Rinde und Holz) neu gebildetem Holz, zu schließen. Das kann durchaus mehrere Jahre dauern.

Art und Umfang der Einkürzung von Starkästen.
Müssen im Starkastbereich größere Teile der Krone entfernt werden, besteht die Gefahr von dauerhaften Schäden (z.B. Vitalitätsverlust, umfangreiche Einfaulung). Sinnvoll kann diese Maßnahme, z.B. bei schwer geschädigten Bäumen sein, die aus Gründen des Arten- und Denkmalschutzes erhalten werden sollen.

ZTV – Baumpflege, FLL
sauber geschlossene Wunden an einer Buche

Zusätzlich ist der Baum in der Lage seine Verletzungen gegen Pilze und Luftblasen innerlich abzuschotten. Das macht er auf chemische Weise und das kann nur im lebenden Gewebe passieren, dem Splintholz.
Starkäste haben aber in der Mitte schon Kernholz. Und da gibt es keine lebendigen Zellen mehr. Das heißt, eine Abschottung ist nicht mehr möglich.
Dadurch kommt es zu Fäulnis und zum sogenannten Versorgungsschatten.
Das kann auch bei verkehrter Schnittführung, da dann auch bei kleineren Ästen, auftreten.

Die Bäume werden langfristig geschädigt und werden so oft ein Sicherheitsrisiko, vor allem wenn es große Stammschnitte sind.
Ganz fatal ist es, wenn am Stamm gleich mehrere Starkastschnitte gemacht werden….. da steigt das Bruchrisiko sehr an.
Der Stamm ist das Tragegerüst des Baumes und deshalb sollte er gesund sein.

Ein Baum, den ich schon einige Jahre kenne……..

Es ist deutlich zu sehen, das der Baum es nicht schafft, die Wunde zu schließen. Dazu kommt der Pilzbefall…..

…. und vermehrtes Totholz in der Krone. Zudem ist er durch die Schwächung nicht mehr in der Lage kleinere Wunden zu schließen.

Für die Tierwelt sind solche „Löcher“ im Baum natürlich wertvoll. Dort finden sie Nahrung und können sich auch eine Bruthöhle bauen.
Leider steigt aber dabei das Bruchrisiko.

Wie kann ich jetzt solche Starkastschnitte vermeiden?
Für mich ist es am wichtigsten die Bäume im Blick zu halten.
Regelmäßiges Überprüfen des Baumes und vorausschauendes Handeln ist dabei sehr sinnvoll.

  • am besten im laublosem Zustand
  • sich Zeit nehmen, um den Baum genau anzuschauen
  • überlegen, was passiert z.B., wenn der eine Ast weiter in Richtung Haus wächst. Kommt er dann irgendwann gegen die Dachrinne?
  • frühzeitig eingreifen, durch entfernen oder reduzieren auf ableitendem Ast

Dazu gibt es auch noch Baumarten, die sehr empfindlich sind und ganz schlecht abschotten. Da gilt es noch besser aufzupassen, will ich den Baum langfristig erhalten.

Die Birke, einer meiner Lieblingsbäume, ist leider so ein Baum. Sie verträgt keine Schnitte über 5 cm Durchmesser und reagieren sehr negativ auf jegliche Art des Kappens.
Weiden, Eschen, Kirschen und auch Apfelbäume schotten ebenfalls schlecht ab.

Wie sollte ich schneiden, wenn ich Äste einkürzen muss?

Nie kappen, immer auf ableitenden Ast schneiden.

Copyright: Peter Klug, Arbus

Folgende Regeln sind dabei wichtig:

  • der ableitende Ast, auch Zugast genannt, sollte in etwa in die gleiche Richtung zeigen wie der zu schneidende Ast
  • sein Durchmesser sollte 1/3 des ein zu kürzenden Astes an der Schnittfläche betragen
  • keine „Kleiderhaken“ stehen lassen

Die Natur macht es uns vor:

Hier seht ihr unten einen toten Ast und oben den, schon recht starken, Zugast. Der Baum wird den unteren Ast irgendwann von alleine abwerfen.

So sieht eine fachgerechte Kroneneinkürzung aus.

Copyright Peter Klug, Arbus

In der Baumpflege hat sich sehr viel verändert.

In den 70iger Jahren habe ich von meinem Vater noch gelernt:
Alles, über 5 D-Mark Größe wird mit Baumwachs zugeschmiert.
Jetzt werden Wundverschlussmittel kaum noch genommen, da festgestellt worden ist, das sich die Pilze darunter pudelwohl fühlen.
Allerhöchsten bei großen, nicht zu vermeidenden Wunden. Da kann, nach der Glättung der Wundränder, der Rand etwas eingestrichen werden.

In der modernen Baumpflege wird vermehrt auf die Selbstheilungskräfte der Bäume gesetzt.

Und das Ausfüllen eines hohlen Stammes mit Beton gehört der Vergangenheit an.

Stattdessen darf er ungehindert als Habitatbaum stehen bleiben. So bietet er besondere Lebensräume für andere Lebewesen.

So ein Baum ist für mich etwas ganz besonderes und verdient unsere Wertschätzung.

In einem weiteren Beitrag wird es dann über die richtige Schnitttechnik gehen.

2 Comments

  • Elke Schwarzer

    Hallo Barbara,
    sehr lehrreich und gut bebildert.
    Leider werden solche durch falschen Schnitt instabil gewordenen Bäume dann am Ende gefällt anstatt wenigstens den Stamm für die Tiere stehen zu lassen. Für einige Schwebfliegen sind solche gammeligen Astlöcher lebenswichtig.
    VG
    Elke

    • Barbara

      Hallo Elke,
      das sehe ich auch so. In England gehen die viel entspannter mit Habitatbäumen um. Da stehen auch abgestorbene große Bäume in Parks und Gärten.
      Und ich finde, die haben ihre ganz eigene Charme.
      Liebe Grüße Barbara

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