Gestaltung

Winterecken im Garten

Draußen ist es diesig, usselig und alles sieht grau in grau aus. Die dunkle Jahreszeit hat uns Gartenbesitzer fest im Griff. Alle sehnen sich nach Farbe im Garten und haben dabei nur das Frühjahr und den Sommer im Kopf. Auch in den Sozialen Medien sehe ich mehr bunte Blumenbilder als aktuelle Bilder aus dem Garten.


Das geht auch anders. Viele von uns kennen die tollen Bilder aus den englischen Parks. Einen Wald aus Himalayabirken, unterpflanzt mit roten Hartriegel oder bunte Weidengruppen in verschiedenen Farben.

copyright Cederic Pollet „Gärten im Winter“ Ulmer Verlag

So wunderschön, aber alles nichts für meinen Garten. Soviel Platz habe ich nicht.

Ja, leider. Soviel Platz wäre schon toll. Aber deswegen im Winter nur von Frühjahr und Sommer träumen?
Nein, dazu ist die Zeit doch viel zu schade. Und der Garten viel zu wichtig.

Gartenecken, speziell für die graue Jahreszeit, funktionieren auch im kleinen Garten!!!

Was muss ich dabei beachten?

  • Standort so festlegen, das er innen vom Haus aus gut zu sehen ist. Z.B. vom Sofa oder vom Küchenfenster aus
  • Gehölze auswählen mit einer besonderen Winterstruktur, Rindenfarbe, immergrün oder Winterblüte
  • Vor dem pflanzen, die Standorte mit Stäben makieren und innen vom Haus aus kontrollieren
  • Platzbedarf genau überlegen. Wie groß werden die Gehölze?
  • Kontraste schaffen durch Wechsel von immergrün mit anderen Strukturen
  • Wie sieht das Beet den Rest des Jahres aus? Eventuell mit passenden Sommerstauden „aufpeppen“
  • Stauden, mit Winteraspekten auswählen
  • flächige Pflanzungen wirkt auf Entfernung im Winter besser
  • Zwiebelpflanzen nicht vergessen

In unserem Garten hat sich die Winterecke im Laufe der Zeit entwickelt. Ich habe sie nicht gezielt geplant. Das kann ich wunderbar in den Gärten meiner Kunden. Im eigenem Garten läuft die Planung meistens spontan. Erst habe ich die Pflanze und dann suche ich einen Platz im Garten.
Ist nicht besonders klug. Und ich mache es auch nicht bei Bäumen oder großen Gehölzen. Meine Liebe zu soooooo vielen schönen Pflanzen steht mir bei der Planung, im eigenem Garten, oft im Weg.

Zurück zur Winterecke.

Sie ist vom Sofa aus zu sehen und leuchtet sogar, wenn alles Grau in Grau ist. Die meisten Fotos sind deshalb extra nicht bei Sonnenschein gemacht worden.

Folgende Pflanzen sind dort zu finden:


Gehölze:

  • Mahonia bealei – Schmuckmahonie
  • Taxus baccata als Formgehölz
  • Hamamelis intermedia „Arnold Promise“ – Zaubernuss
  • Cornus sanguinea „Midvinter Fire“ – Hartriegel
  • Rose „Golden Celebration“ Austinrose für den Sommer
  • Cercidiphyllum japonicum – Lebkuchenbaum- als Großgehölz/Baum

Stauden:

  • Ophiopogon planiscapus „Niger“ – schwarzer Schlangenbart
  • Heuchera micrantha „Amber Waves“
  • Heuchera villosa „Caramel“
  • Phlomis russeliana – Brandkraut
  • Epimedium x perralchicum „Frohnleiten“
  • Rudbeckia triloba – Sonnenhut für den Sommer
  • Rudbeckia var. deamii – Sonnenhut für den Sommer

Mahonia bealei – Schmuckmahonie

  • steht hier auf schwerem Kalkmergelboden
  • steht hier trocken, wird nicht extra bewässert
  • seit über 10 Jahren, also gut eingewachsen
  • blüht, hier im Münsterland, ab Januar, sobald es knapp 10 Grad ist
  • gelb und duftend
  • Futter für die ersten Hummeln und Bienen
  • blauschwarze Beeren – Vogelfutter
  • Heimat ist China
  • durch tiefes Auslichten, nach der Blüte, ist die Größe gut begrenzbar
  • wird breit, hier ca. 1,5 Meter
  • etwas empfindlich gegen Kahlfrost
  • in jungen Jahren empfindlicher gegen Frost

Hamamelis x intermedia „Arnold Promise“ – Zaubernuss

  • blüht goldgelb mitten im Winter
  • duftend
  • trichterförmiger Wuchs, bis zu 4 Meter hoch
  • langsamer Wuchs
  • bei Sommer dürre schlechter Blütenansatz
  • tolle Herbstfärbung
  • würde lieber etwas feuchter stehen, als sie hier steht

Cornus sanguinea „Midvinter Fire“ – Hartriegel

  • anspruchslos und robust
  • orangefarbene Rinde, besonders intensiv am jungen Holz
  • im Sommer schlicht grün
  • regelmäßiger Rückschnitt gut möglich – Coppicing,
    d.h. Rückschnitt wie bei einer Kopfweide, allerdings ganz unten
  • braucht keinen besonderen Standort
  • verträgt Trockenheit

Taxus baccata – Eibe

  • heimische Konifere
  • sehr schnittverträglich
  • immergrün
  • Winterschutz für Vögel
  • lässt sich gut als Strukturelement einsetzten
  • verträgt keine Nässe
  • verträgt keine Bodenverdichtungen

Ophiopogon planiscapus „Niger“ – schwarzer Schlangenbart

  • immergrün (schwarz)
  • hellrosa Blüten
  • schwarze Beeren
  • Halbschattiger/ schattiger Standort
  • verträgt hier auch, eingewachsen, Sonne
  • 10-20 cm hoch
  • 10 -12 Pflanzen/qm

Heuchera micrantha „Amber Waves“
Heuchera villosa „Caramel“

  • Blattschmuckstaude
  • diese beiden Sorten sind etwas sonnenempfindlich
  • halbschattiger Standort
  • filigrane, ca. 40 cm hohe, cremefarbene Blüten
  • kann auch trocken stehen
  • 7-9 Pflanzen/qm

Phlomis russeliana – Brandkraut

  • wüchsig, robust, kann trocken stehen
  • wintergrün
  • gut bodendeckend
  • hellgelbe, ca. 60cm hohe Blüten
  • tolle Winterstruktur
  • 5 Pflanzen/qm
  • sonniger Standort, im Halbschatten weniger Blüten

Epimedium x perralchicum „Frohnleiten“ – Elfenblume

  • wüchsiger, robuster Bodendecker
  • halbschattiger/ schattiger Standort
  • verträgt Wurzeldruck und Trockenheit
  • wintergrün
  • im Frühjahr zeitig abschneiden, damit die hellgelbe, zarte Blüte zur Geltung kommt
  • 12 Pflanzen/qm

Es gibt noch ganz viele weitere Gehölze und Stauden, die für Winterecken geeignet sind. Auch Koniferen sind wunderbar für den Winter geeignet. Sie sind gerade nicht hipp und bei einer Thujahecke kann ich das auch verstehen. Aber es gibt wunderschöne Nadelgehölze für den Einzelstand, tolle Kiefern, Tannen, Fichten oder Scheinzypressen. Die Vielfalt im Garten ist entscheidend.

Falls ihr noch mehr erfahren möchtet – ich habe vor einiger Zeit ein tolles Buch zu dem Thema vorgestellt:

Gärten im Winter – ein Buch, bei dem es in den Fingern kribbelt

6 Comments

  • Gabi

    Ich habe im Winter meterhoch den Schnee im Garten. Und das für Monate. Damit ich neben der vielen Sonne auch Farbe im Garten sehe, wurde unser Bienenhaus rot gestrichen und rote, riesiggroße Zipfelmützen baumeln an meterlangen Haselnussstecken.
    Ab spätestens Februar beneide ich alle, die im Flachland wohnen.
    LG
    Gabi

    • Marie Christine Wyrsch

      Schon seit vielen Jahren lege ich Wert auf Pflanzen, die auch im Winter schön anzusehen sind. Aber erst seitdem ich im Luisenpark in Mannheim den wunderbaren Wintergarten gesehen habe und Cedric Pollets Buch geschenkt bekam, bin ich im „Wintergarten Fieber“ und überlege, wie ich die Winterecken in schöne Winterbilder umwandeln kann. Da kommt dieser Artikel wie gerufen. Er enthält viele praktikable Anregungen . Fragen habe ich zur Mahonia. Ist Mahonia bealei der Mahonia aquifolium vorzuziehen? Mahonien waren schon in unserem Garten als wir ihn vor über 40 Jahren übernommen haben. Nach den Blättern müsste es Mahonia aquifolium sein. Aber es ist keine Zwergform. Kann man die auch mal „auf Stock“ setzen ? Vielen Dank für den ebenso interessanten wie schönen Artikel. Ich fühle mich dadurch hochmotiviert, meine Winterecken in Angriff zu nehmen. Herzliche Grüße Marie Christine

      • Barbara

        Liebe Marie Christine,
        du kannst Mahonien ohne Probleme auf Stock setzten. Die beste Zeit ist direkt nach der Blüte.
        Mahonia bealei ist ganz anders als Mahonia aquifolium. Sie versamt sich bei mir überhaupt nicht und sieht als Solitärpflanze prächtig aus. Außerdem blüht sie viel früher und duftet sehr intensiv. Die ersten Bienen und Hummeln fliegen sie richtig gut an.
        Viele Grüße
        Barbara

    • Barbara

      Liebe Gabi,

      das kann ich verstehen. Wenn du so lange Schnee hast, bist du ihn sicher irgendwann leid. Und mit Struktur durch Stauden klappt es dann auch nicht wirklich. Da brauchst du schon richtig hohe und robuste Gehölze.
      Die Idee mit den Zipfelmützen an Haselnussstecken finde ich gut. Das leuchtet bestimmt schön durch den Garten.
      Viele Grüße Barbara

  • Susanna

    Wie tröstlich, dass es dir im eigenen Garten auch so geht: erst kaufen, dann einen Platz finden …
    Die Schmuckmahonie kannte ich noch nicht, sie gefällt mir sehr! Ohne einige im Winter attraktive Stauden und Gehölze wäre mir der Garten auch zu langweilig, trotz der Strukturen von Gräser- und Staudenresten.
    Interessant, dass der Schwarze Schlangenbart bei dir in der Sonne gedeiht. Ich hatte bei uns den Eindruck, dass er verbrennt. Vielleicht ist es einen zweiten Versuch wert, um der Wiederholung in verschiedenen Bereichen willen. Liebe Grüße,
    Susanna

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